Neujahr und Dreikönigstag

Neujahr und Dreikönigstag

Mit Lärm die Frühlingsgeister wecken!

Der Klimawandel setzt auch dem Brauchtum zu. Aperschnalzen – wozu, wenn um den Jahreswechsel bald nirgends mehr Schnee liegt? Soll das rhythmische Schnalzen und Knallen mit der „Goaßl“, einer bis zu vier Meter langen Peitsche, nicht Stadt und Land wieder „aper“ (schneefrei) machen? Die Bezeichnung dieses alten Brauches als Aperschnalzen ließe zwar darauf schließen, dennoch liegt sein wahrer, ursprünglicher Sinn darin, mit Lautstärke die Frühlingsgeister zu wecken.

Nicht umsonst zerfetzen zusätzlich noch zwei Dutzend Schüsse der Prangerschützen die morgendliche Ruhe vor dem Linzer Landhaus, wenn am Neujahrstag die Schnalzer antreten.

Wir feiern ja so manches Fest mit Lärmbräuchen. Aus purer Freude am Lauten, aus guter Laune – und doch soll Tiefsinnigeres dahinterstecken. Dämonenabwehr soll so gelingen, und als Fruchtbarkeitsritus lassen sich etwa Böllerschüsse bei ländlichen Hochzeiten deuten.

Gemeinsamer Nenner: Lärm möge Glück herbeirufen. Silvesterkracher und Feuerwerke begrüßen jedes neue Jahr. In manchen Orten wird der Jahresbeginn mit dem alten Jägerbrauch des Neujahrsschießens begangen. Mit je drei Gewehrschüssen werden das alte Jahr „aussig’schossen“ und das neue „einig’schossen“.

Könige, Glöckler und die wilde Jagd

Mit Lärm haben die drei Weisen aus dem Morgenland nichts „am Hut“. Im Gegenteil, rücksichtsvoll heimlich nähern sie sich in der Bibel dem Neugeborenen, im heutigen Brauchtum den Wohnungen spendierfreudiger Menschen. Die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar setzt sich vor allem für arme Menschen in Entwicklungsländern ein.

Die „Heiligen drei Könige“ haben viele Brauchtumsspuren hinterlassen. In manchen Gemeinden ziehen kostümierte Sänger hoch zu Ross umher, begleitet von Musikanten, Stern- und Fackelträgern. Sie singen Lieder aus dem umfangreichen Schatz der Hirten- und Dreikönigslieder, und im Salzkammergut treffen sie mancherorts auf die Glöckler.

Mit kunstvoll aufgebauten und verzierten Lichterkappen ziehen diese in der letzten Raunacht – vom 5. auf den 6. Jänner – von Haus zu Haus. Sie stellen Schönperchten dar, die die bösen Geister der „Wilden Jagd“ („s wüde Gjoad“) endgültig vertreiben. Die Bezeichnung Glöckler hängt übrigens nicht mit Glocken zusammen, sie ist vom mittelhochdeutschen Wort „klocken“ (= anklopfen) hergeleitet. Ein traditionsreicher Brauch: Glöckler waren immer in den sogenannten Anklopfnächten unterwegs, sie klopften bei allen Häusern an und kehrten gerne ein, wenn sie hineingebeten wurden. Auch diese freundliche Sitte der Dankbarkeit ist erhalten geblieben.

Unter mehreren Versuchen, die weiße Kleidung der Glöckler zu begründen, leuchtet diese am ehesten ein: Früher lehnte die Kirche diesen Brauch wegen seiner heidnischen Wurzeln kategorisch ab, schaltete angeblich sogar manchmal die Polizei ein. Wurden die Glöckler daraufhin verfolgt, konnten sie sich als weiß gewandete Figuren leichter im Schnee verstecken.

Das führt uns zum brauchtumsgefährdenden Klimawandel zurück: Auch das Verstecken im Schnee, wäre es denn noch angebracht, würde von Jahr zu Jahr schwieriger…

Klaus Huber Mag. Klaus Huber schreibt ab sofort – jeweils zu Monatsbeginn – den Heimatwerk-Blog über das oö. Brauchtum der folgenden Wochen.
Der Volkskultur ist Klaus Huber seit Jahrzehnten sowohl beruflich (ORF) als auch ehrenamtlich (Stelzhamerbund, OÖ. Forum Volkskultur) eng verbunden.
Die OÖ Nachrichten, für die er jeden Donnerstag eine Volkskulturkolumne schreibt, haben ihn „Mister Volkskultur“ getauft – Ausdruck der Wertschätzung für den unumstrittenen Experten, der unsere Traditionen nicht bloß bewahren, sondern ständig sinnvoll weiterentwickeln will.
Hauptanliegen Klaus Hubers ist die Sprache.„Das Wort ist mein Werkzeug“, sagt er und verknüpft seine Betrachtungen oft mit hintergründigen Fachsimpeleien.
Humorig aufbereitet, sollen sie Freude bereiten und Interesse wecken.