Brauchtum im Juni

Brauchtum im Juni

Heilig-Geist-Schwingen und Pfingstschnalzen

Die Gesetzmäßigkeiten des Kalenders lassen heuer den Pfingstsonntag und den Vatertag auf denselben Tag fallen, den 9. Juni. Das Pfingstfest ist bereits im Jahr 130 n. Chr. erstmals schriftlich belegt, den Vatertag kennen wir erst seit den Fünfzigerjahren – deshalb drängt sich ein frommer Wunsch auf: Hoffen wir, dass der Heilige Geist allen Männern hilft, gute Väter zu sein.

Die Apostelgeschichte erzählt uns vom „Pfingstwunder“: Durch die Sendung des Heiligen Geistes konnten die Jünger plötzlich in vielen fremden Sprachen sprechen und so die Frohe Botschaft in alle Länder bringen. Deshalb gilt Pfingsten gilt als Gründungstag der christlichen Kirche. Dieses Wunder wurde in früheren Zeiten manchmal szenisch dargestellt, indem man Tauben als Symbol für den Hl. Geist aus einer Öffnung in der Kirchendecke herabfliegen ließ oder hölzerne Taubenfiguren hinunterschweben ließ. Dieses „Heilig-Geist-Schwingen“ gefiel den Kirchenbesuchern, und oft war es verbunden mit dem Sakrament der Firmung, das ja als Sendung des Heiligen Geistes gilt.Im weltlichen Brauchtum wird das religiöse Fest mit Pfingsttänzen und Spielen unter freiem Himmel gefeiert. Früher hielt man Lärmumzüge wie das „Pfingstschnalzen“ ab, die Menschen stellten Pfingstbäume auf, und in manchen Gegenden werden traditionsgemäß Pfingstbrezeln gebacken.

Auch Pfingstritte werden mancherorts abgehalten. Während der Osterritt – wie Jesu Einzug in Jerusalem – die Botschaft vom Auferstandenen in die Dörfer tragen soll, gilt der Pfingstritt der Fruchtbarkeit der Felder. Ein Gebiet zu umreiten, wird als segensbringend gedeutet, lesen wir im OÖ. Brauchtumskalender von Sandra Galatz. Trotzdem kann es zu Pfingsten recht ungemütlich werden, denn die Nacht von Pfingstsonntag auf -montag gilt als Unruhnacht.

Birkenrallye am Kranzltag

Wir sehen uns am Kranzltag bei der Birkenrallye! Wer damit nichts anfangen kann, ist nicht mit der oö. Volkskultur aufgewachsen. Es bedeutet: Wir nehmen gemeinsam an der Fronleichnamsprozession teil.

Das "Hochfest des Leibes und Blutes Christi" wird 60 Tage nach Ostern gefeiert, am zweiten Donnerstag nach Pfingsten, heuer am 20. Juni. Fronleichnam, eines der jüngsten und zugleich beliebtesten Hochfeste der katholischen Kirche, erhielt im Laufe der Zeit mehrere ausdrucksstarke Namen: Neben Sakramentstag und Blutstag auch, von ländlichem Brauchtum abgeleitet, Kranzltag und Prangertag.

„Fronleichnam“ entspricht wörtlich dem lateinischen Ausdruck „Corpus Christi“ (Leib des Herrn), er wurde als „vrone lichnam“ ins Mittelhochdeutsche übersetzt. Damit war damals der lebendige Körper gemeint, nicht das heutige Wort Leichnam. Die Bezeichnung „Prangertag“ leitet sich von „prangen“ (Pracht entfalten) ab, „Kranzltag“ lässt sich sowohl mit den Myrthenkränzen im Haar der Mädchen erklären als auch den Birkenkränzen, die nach der „Birkenrallye“ gebunden und daheim aufgehängt werden.

Seit dem Mittelalter werden an diesem Tag Prozessionen abgehalten. Blasmusik, Kirchenchor, Ministranten, Brauchtumsgruppen und Gläubige begleiten die Monstranz zu den Stationen bei geschmückten Altären oder Kapellen. Die Prozessionswege sind traditionell mit Blumen geschmückt und von jungen Birken gesäumt, so hat sich dieser Umzug den liebevoll-kritischen Beinamen „Birkenrallye“ verdient.

Als einziges religiöses Fest hat sich Fronleichnam außerdem zur Touristenattraktion entwickelt, vor allem mit den Wasserprozessionen in Hallstatt, Traunkirchen und Aschach an der Donau. In Hallstatt kündigen Fronleichnamsschützen jede Segenstation mit Böllerschüssen aus ihren Prangerstutzen an. Lärmbrauchtum zur Ehre des Allerheiligsten – das Mysterium Christi ist tatsächlich im Volk angekommen.

Feuer begrüßt den Sommer Sonnwendhansl und Sonnwendgretl

Am 21. Juni, einen Tag nach Fronleichnam, folgt heuer die Sommersonnenwende, der astronomische Sommerbeginn. Seit Menschengedenken hat dieses mystische Ereignis die Entstehung von Bräuchen gefördert. Der längste Tag des Jahres wird ausgelassen gefeiert. Gleichzeitig ist die kürzeste Nacht mit Aberglauben verknüpft, der übertriebene Sinnenfreude dämpfen soll: Es heißt, in der Sonnwendnacht gezeugte Kinder hätten den „bösen Blick“. Die Angst davor ist in vielen Kulturen verbreitet, im Orient ebenso wie bei Indianern und Afrikanern. Im mittelalterlichen Europa wurde der böse Blick, der anderen Menschen Unheil bescheren soll, vor allem Frauen zugeschrieben. Der Hexenwahn lässt grüßen.

Im Zuge der Christianisierung verknüpfte die Kirche das vom Volk gefeierte Himmelsphänomen mit dem Festtag Johannes des Täufers am 24. Juni, aus Sonnwendfeuern entstanden Johannisfeuer. Als weithin sichtbare Symbole lodern sie auf Berggipfeln, ebenso jedoch in jedem Dorf. Auf den Holzstoß für das Sonnwendfeuer setzt man zwei Strohpuppen, den Sonnwendhansl und die Sonnwendgretl, und verbrennt sie mit, um böse Dämonen abzuwehren. Beim Entzünden erweist sich die zeitliche Nähe zu Fronleichnam als praktisch, denn die dürren Überreste der „Birkenrallye“ lodern wie Zunder.

Sobald das Feuer etwas niederbrennt, beginnen Burschen und Mädchen drüberzuspringen. Sie bestehen eine gemeinsame Mutprobe, und springen sie gar Hand in Hand, soll bald darauf Hochzeit gefeiert werden. Außerdem begegnet man damit schwer auszurottendem Aberglauben. Das Feuer soll ja reinigen und vor Krankheit schützen. Je mehr Menschen über das Feuer springen, desto größer die Wirkung!

Klaus Huber

Mag. Klaus Huber schreibt ab sofort – jeweils zu Monatsbeginn – den Heimatwerk-Blog über das oö. Brauchtum der folgenden Wochen.
Der Volkskultur ist Klaus Huber seit Jahrzehnten sowohl beruflich (ORF) als auch ehrenamtlich (Stelzhamerbund, OÖ. Forum Volkskultur) eng verbunden.
Die OÖ Nachrichten, für die er jeden Donnerstag eine Volkskulturkolumne schreibt, haben ihn „Mister Volkskultur“ getauft – Ausdruck der Wertschätzung für den unumstrittenen Experten, der unsere Traditionen nicht bloß bewahren, sondern ständig sinnvoll weiterentwickeln will.
Hauptanliegen Klaus Hubers ist die Sprache.„Das Wort ist mein Werkzeug“, sagt er und verknüpft seine Betrachtungen oft mit hintergründigen Fachsimpeleien.
Humorig aufbereitet, sollen sie Freude bereiten und Interesse wecken.