Brauchtum im Monat April

Brauchtum im Monat April

April, April!

„Am ersten April schickt man den Esel, wohin man will“, reimt der Volksmund. Schon zu Großvaters Zeiten schickte man einen neuen Lehrling in die Apotheke, um „Spennadelsam“ zu kaufen – Samen für Stecknadeln! – oder eine Prise Ibidum. Fragte der schalkhafte Apotheker nach: „Was willst?“, wiederholte der kleine Ahnungslose laut: „I bi dumm!“ Wer mit einem Aprilscherz noch so schlimm hereingelegt worden ist, kann sich damit trösten: Man wird nur Menschen „in den April schicken“, die man mag. Unbeliebte sind nicht einmal einen Streich wert, würde er ihnen doch zu unverdienter Aufmerksamkeit verhelfen.

Vom Mond abhängig

Mit lustigen Späßen beginnt er also, der April, mit boshaften Umtrieben wird er in der Walpurgisnacht am 30. enden. Die Wochen dazwischen sind christlichem Brauchtum gewidmet. Ohne fixe Daten, denn diese hängen vom Mond ab und werden alljährlich von Astronomen berechnet. Laut Neuem Testament ereignete sich die Auferstehung Christi zur Zeit des jüdischen Passah- oder Pessachfestes, das wiederum vom Frühlingsvollmond abhängig war. Für die Christenheit wurde auf dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 festgelegt: Ostersonntag ist der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling, frühestens am 22. März, spätestens am 25. April.

Besonders vielfältiges Brauchtum wird in der Karwoche begangen, der Leidenswoche Christi. Sie beginnt mit dem Palmsonntag und endet mit der Auferstehungsfeier der Osternacht am Karsamstag. Namensgeber ist das althochdeutsche „Cara" für Kummer, Sorge.

Wer am Palmsonntag am längsten schläft, wird „Palmesel“ gerufen. Denn an diesem Festtag sollte man hellwach sein, um ja nichts zu verpassen. Laut Neuem Testament winkten jubelnde Menschen Jesus Christus mit Palmwedeln und Ölzweigen zu, als er auf einem Esel reitend zum Pessachfest in die Stadt Jerusalem einzog. Daher feiern Katholiken diesen Tag mit Palmweihe und Palmprozession.

Die Palmbuschen werden je nach Region auch als Palmbaum, Palmstange oder Palmbeserl bezeichnet. Sieben oder neun Kräuter werden zu einem Buschen gebunden. Auf diese ungerade Zahl wird großer Wert gelegt – ein Relikt alten Aberglaubens. Nach der Weihe werden die Palmbuschen auf den Dachboden gelegt, um Blitzschlag abzuwenden. Auf die Felder gesteckt sollen sie für gute Ernte sorgen, im Herrgottswinkel den Hausbewohnern Glück und Segen bringen und im Stall das Vieh vor Krankheit schützen. Sogar viele Monate später, längst alt und getrocknet, sind sie und ihre Kräfte noch gefragt. In den Raunächten im Dezember werden sie beim Räuchern verbrannt und ihre Asche am Aschermittwoch des nächsten Jahres für das Aschenkreuz verwendet.

Aus alter Zeit: Antlaßpfinzta

Mit dem Gründonnerstag (von mittelhochdeutsch „grunen“ = greinen, weinen) endet die 40-tägige Fastenzeit, jetzt beginnt das österliche „Triduum sacrum“, die drei heiligen Tage. Wegen der unausrottbaren Irrmeinung, das Wort Gründonnerstag komme von der Farbe Grün, werden an diesem Tag traditionell grüne Speisen serviert, denen man reinigende Heilkraft nachsagt, z. B. Spinat, Bärlauch oder eine Suppe aus sieben oder neun Kräutern ("Neunkräutelsuppe").

In Oberösterreich hieß dieser Tag früher auch Antlasspfinzta. „Antlass“ ist die Lossprechung von den Sünden, „Pfinzta“ der fünfte Tag der am Sonntag beginnenden Woche (nach Lautverschiebung von griech. pente = fünf).

Am Gründonnerstag gelegte Eier gelten als „Antlaßoa“ mit segensbringender Wirkung. Auch sie sollen Haus und Hof vor Blitzschlag schützen.

In Traunkirchen hat sich seit der Gegenreformation in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag ein besonders eindrucksvoller Brauch erhalten: „Antlaßsingen", ein Relikt aus frühen Passionsspielen. Um 21 Uhr versammeln sich die Gläubigen, der Vorsänger beginnt mit dem Nachtwächterruf: „Meine Herrn und Fraun, lassts euch sagn, da Hammer hat neini gschlagn!“
Mehrstimmig singend antwortet die Schar der Betenden: „Scho neini, scho neini, die Keuschheit behüten, nicht gleich einer Venus die Laster ausbrüten. Mein Jesus wird gfangen mit Spießen und Stangen. Drum meide die Sünd, mein Kind, ’s hat neini gschlagn.“ Dieses Ritual wiederholt sich jeweils zur vollen Stunde bis 3 Uhr morgens. Der gesamte Liedertext schildert im Laufe der Nacht das biblische Geschehen von Jesu Gefangennahme am Ölberg bis zur Kreuzigung.

Ratschen statt Glocken

Ab dem Gloria der Gründonnerstagsliturgie schweigen die Kirchenglocken. „Sie fliegen nach Rom“, sagt der Volksmund, und kehren erst in der Osternacht zur Auferstehungsfeier zurück. An ihre Stelle treten die Ratschen. Mit diesen hölzernen Lärminstrumenten werden die Gläubigen an die Gebetszeiten erinnert. Ministranten sagen dazu den Spruch auf:
„Wir ratschen, wir ratschen zum englischen Gruß, damit ein jeder Christ beten muss. Fallet nieder auf eure Knie, betet ein Vaterunser, drei Ave Marie.“

Dieser Ausdruck „englischer Gruß“ hat nichts mit der englischen Sprache zu tun. Er ist ein eigenwillig gebildetes Adjektiv zu Engel, verweist also auf den Gruß des Engels im Lukas-Evangelium: „Ave, Maria, der Herr ist mit dir“.

Klaus Huber

Mag. Klaus Huber schreibt ab sofort – jeweils zu Monatsbeginn – den Heimatwerk-Blog über das oö. Brauchtum der folgenden Wochen.
Der Volkskultur ist Klaus Huber seit Jahrzehnten sowohl beruflich (ORF) als auch ehrenamtlich (Stelzhamerbund, OÖ. Forum Volkskultur) eng verbunden.
Die OÖ Nachrichten, für die er jeden Donnerstag eine Volkskulturkolumne schreibt, haben ihn „Mister Volkskultur“ getauft – Ausdruck der Wertschätzung für den unumstrittenen Experten, der unsere Traditionen nicht bloß bewahren, sondern ständig sinnvoll weiterentwickeln will.
Hauptanliegen Klaus Hubers ist die Sprache.„Das Wort ist mein Werkzeug“, sagt er und verknüpft seine Betrachtungen oft mit hintergründigen Fachsimpeleien.
Humorig aufbereitet, sollen sie Freude bereiten und Interesse wecken.