Brauchtum im Oktober

Brauchtum im Oktober

Ruamleuchtn und Halloween bringen Licht in den Oktober

Jetzt kommen die „Goldenen Samstage“. So heißen in unserem Brauchtum die ersten drei Oktober-Samstage, an denen seit Kaiser Ferdinand III. (1637 – 1657) viele Gläubige Wallfahrten zu Ehren der Gottesmutter unternahmen. Des Kaisers ausgeprägte Marienverehrung wirkte. Wallfahrtsorte luden zu besonders gestalteten Messen ein, die Menschen beteten an diesen Tagen um eine glückliche Sterbestunde.

Die „Goldenen Samstage“ folgen dem Fest des Erzengels Michael (29. September), einem wichtigen Termin im bäuerlichen Jahresablauf. Dieser markiert das Ende der Feldarbeit, jetzt folgten Erntedank und Totengedenken, denn der Hl. Michael sollte ja die Seelen beschützen und in den Himmel geleiten.

In einem Ablassbrief von Papst Klemens XIV. (1769) für die Wallfahrtskirche „Maria vom guten Rat“ in Dörnbach bei Wilhering wird als Ziel „die Erlangung eines glücklichen Todes und der Beistand in allen Lebensnöten“ genannt.

Herbstliche Lichterbräuche

Wenn im Oktober die Dunkelheit täglich früher hereinbricht, wird allen bewusst, wie abhängig wir vom Licht sind. Da lebt im Salzkammergut ein herbstlicher Brauch wieder auf, der seit einigen Jahrzehnten beinahe vergessen war: „’s Ruamleuchtn“.

Dieser Kinderbrauch wurde hauptsächlich im Ebenseer Ortsteil Kohlstatt ausgeübt – schon lange, bevor Halloween bei uns bekannt und beliebt wurde. Das Ruamleuchtn war auch nicht auf die Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November beschränkt. Die Gruppen waren schon an früheren Abenden unterwegs. Gepflegt wurde das Ruamleuchtn auch nicht als Heischebrauch, sondern einfach als riesige Gaudi für die Kinder, die mit kerzenhellen Rüben in die Fenster hineinleuchteten. Was freilich nicht ausschließt, dass die Kleinen öfters etwas „abstaubten“…

Und so geht’s: Eine große Runkelrübe wird zu einer herbstlichen Laterne umfunktioniert. Die Rübe wird oben aufgeschnitten und mit einem Löffel ausgehöhlt. Dann werden Augen, Nase und Mund hineingeschnitten, ein Teelicht in die Laterne gesteckt und der Deckel wieder draufgesetzt. Mit Draht wird die Rübe schließlich an einem Holzstecken befestigt – fertig ist die Ruamleuchtn.

Dann wurde der alte einheimische Brauch von Halloween abgelöst. Die Kinderfreunde Ebensee hatten das erste Halloweenfest organisiert, zogen aber schon zwei Jahre später wieder mit hell erleuchteten Rüben statt Kürbissen durch die Herbstnacht. Das Ruamleuchtn hat erstaunlicherweise überlebt.

Süßes oder Saures!

Dabei ist auch die weit verbeitete Ablehnung von Halloween maßlos übertrieben. Was ist schon dabei?

Die Kinder mit dem Sackerl, in dem sie Süßigkeiten oder auch kleine Geldspenden sammeln, erinnern doch an viele sogenannte „Heischebräuche“, gegen die niemand etwas einzuwenden hat. D’Raunachtler etwa, die im Innviertel um Rauschnitt’n betteln, oder Kinder, die in Neukirchen bei Altmünster mit dem Ausruf „Krupf, krupf“ um Krapfen oder Süßes betteln, sind in unserem traditionellen Brauchtum verankert und werden von den Familien sogar erwartet und hereingebeten.

Jene Kinder aber, die am 31. Oktober den Hausbewohnern mit „Süßes oder Saures!“ Schabernack androhen, sollten sie nichts Süßes bekommen, sind weniger gerne gesehen. Als nett und spaßig werden hingegen jene Bosheiten abgetan, die bei uns in den Unruhnächten verübt werden.

Was nun am Abend vor Allerheiligen immer öfter geschieht, ist also für unseren Kulturkreis nichts Neues, schreibt Volkskundlerin Sandra Galatz. Es geschieht nur zu anderen, ungewohnten Zeiten im Jahr.

Klaus Huber

Mag. Klaus Huber schreibt ab sofort – jeweils zu Monatsbeginn – den Heimatwerk-Blog über das oö. Brauchtum der folgenden Wochen.
Der Volkskultur ist Klaus Huber seit Jahrzehnten sowohl beruflich (ORF) als auch ehrenamtlich (Stelzhamerbund, OÖ. Forum Volkskultur) eng verbunden.
Die OÖ Nachrichten, für die er jeden Donnerstag eine Volkskulturkolumne schreibt, haben ihn „Mister Volkskultur“ getauft – Ausdruck der Wertschätzung für den unumstrittenen Experten, der unsere Traditionen nicht bloß bewahren, sondern ständig sinnvoll weiterentwickeln will.
Hauptanliegen Klaus Hubers ist die Sprache.„Das Wort ist mein Werkzeug“, sagt er und verknüpft seine Betrachtungen oft mit hintergründigen Fachsimpeleien.
Humorig aufbereitet, sollen sie Freude bereiten und Interesse wecken.