Jetzt geht uns ein Licht auf!

Jetzt geht uns ein Licht auf!

Jetzt geht uns ein Licht auf!

Am 2. Februar, gut sieben Wochen nach der Wintersonnenwende, leuchtet die Sonne erstmals wieder zur Frühmesse in der Kirche, hieß es früher, und in dieser Messe werden die Kerzen geweiht. So kam ein altes Fest zu seinem jüngsten Namen „Mariä Lichtmess“.

Schon im 4. Jahrhundert feierten Christen das Fest „Darstellung des Herrn“ oder „Einführung Jesu in den Tempel“. Daraus wurde „Mariä Reinigung“ und schließlich „Mariä Lichtmess“.

Laut altjüdischem Gesetz galt eine Frau nach der Geburt eines Sohnes 40 Tage lang als unrein. Der erstgeborene Sohn war „Eigentum Gottes“ und wurde ihm deshalb am 40. Tag im Tempel symbolisch übergeben, in alter Bedeutung des deutschen Wortes „dargestellt“, daher hieß das Fest „Darstellung des Herrn“. Gegen ein Geld- oder Tieropfer konnten aber die Eltern – wie auch Josef und Maria im Lukas-Evangelium – ihren Sohn auslösen. Die Frau galt nach diesem Opfer wieder als gereinigt, daher „Mariä Reinigung“.

Zu Lichtmess endete früher die kirchliche Weihnachtszeit. Der Tag wurde mit Kerzenweihe und Lichterprozessionen begangen. Dieser Brauch lebt weiter. Noch heute bleiben Krippe und Christbaum in vielen katholischen Häusern bis zum 2. Februar stehen (obwohl seit dem II. Vatikanischen Konzil die Weihnachtszeit offiziell bereits am 6. Jänner endet).

Im bäuerlichen Jahreskreis kennzeichnete Lichtmess den Beginn des neuen Arbeitsjahres. Die Tage wurden spürbar länger, jetzt gab es wieder Abendessen bei Tageslicht. Am 2. Februar endete auch das Dienstbotenjahr. Knechte und Dirnen bekamen den Rest ihres Jahreslohnes ausbezahlt. Dann wurde der Vertrag per Handschlag um ein Jahr verlängert – oder der Bedienstete wechselte zu einem neuen Arbeitgeber.

Der Freizeitmensch unserer Tage möchte immer Schönwetter haben. Erfahrene Bauern hoffen dagegen auf einen trüben Lichtmesstag. Denn sie vertrauen auf die alten Wetterregeln: Scheint zu Lichtmess die Sonne heiß, gibt's noch sehr viel Schnee und Eis. Doch wenn's um Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit. 

„Neue Schuah – neue Liab“

Viele Menschen hatten früher Angst vor dem 2. Februar, nicht vor dem urchristlichen Fest, sondern vor dem Ende des Dienstbotenjahres an diesem Tag. Hatte nämlich der Bauer verbotene Liebesbande zwischen Knecht und Dirn entdeckt, konnte er diese jäh zerreißen.
War der Knecht sein verlässlichster Mitarbeiter am Hof, musste die Dirn verschwinden. Interessierte sich der Bauer aber selbst für die fesche Dirn, hatte sich der Knecht einen anderen Arbeitsplatz zu suchen. Heiraten durften Dienstboten schon gar nicht, mussten sie doch als Arbeitskräfte jederzeit verfügbar sein.
Da wohlhabende Bauern den Dienstboten als Anerkennung für gute Arbeit neue Schuhe schenkten, entstand der Spruch „Neue Schuah – neue Liab“. Du wirst dir schon wieder jemanden finden…
Bauern und Dienstboten ist also ein Licht aufgegangen, zu Lichtmess wussten sie, mit wem und bei wem sie künftig arbeiten würden. Beide mussten der Verlängerung des Arbeitsverhältnisses zustimmen.
„Ein Licht aufgegangen“ – diese Redewendung drückt Erkenntnis aus, aber auch Erleichterung. Denn Licht besiegt das Böse, darauf vertrauen alle Kulturen.

Die Menschen vertrauten der Schutzwirkung am Lichtmesstag gesegneter Kerzen. Ihr Licht schützt das Haus vor Blitzschlag, hält böse Geister fern, lässt Kinder besser schlafen und Kranke genesen, schützt Sterbende vor Dämonen.

Und dann kommt Agatha. Spätestens an ihrem Festtag am 5. Februar mussten Dienstboten beim neuen Arbeitgeber einziehen. Drei Tage frei – damit war der ganze „Jahresurlaub“ von Knecht und Dirn aufgebraucht. Dieser Klasse gehörten in Österreich noch in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts rund 300.000 Menschen an, besitzlos und zu bedingungslosem Gehorsam verpflichtet. Der katholische Bauer konnte sie sogar zur Osterbeichte zwingen; wer sich weigerte, wurde sofort vom Hof verjagt.

Klaus Huber

Mag. Klaus Huber schreibt ab sofort – jeweils zu Monatsbeginn – den Heimatwerk-Blog über das oö. Brauchtum der folgenden Wochen.
Der Volkskultur ist Klaus Huber seit Jahrzehnten sowohl beruflich (ORF) als auch ehrenamtlich (Stelzhamerbund, OÖ. Forum Volkskultur) eng verbunden.
Die OÖ Nachrichten, für die er jeden Donnerstag eine Volkskulturkolumne schreibt, haben ihn „Mister Volkskultur“ getauft – Ausdruck der Wertschätzung für den unumstrittenen Experten, der unsere Traditionen nicht bloß bewahren, sondern ständig sinnvoll weiterentwickeln will.
Hauptanliegen Klaus Hubers ist die Sprache.„Das Wort ist mein Werkzeug“, sagt er und verknüpft seine Betrachtungen oft mit hintergründigen Fachsimpeleien.
Humorig aufbereitet, sollen sie Freude bereiten und Interesse wecken.